Soweit, so schlecht… nur leider gibt es kaum zugelassene Medikamente für diese immer häufiger werdende Plage bei Hund und Katz und eine Behandlung kann sich wegen der Hartnäckigkeit der ungebetenen Untermieter und des hohen Reinfektionsrisikos über Wochen und Monate ziehen.
Was tun, wenn eine Katze Giardien hat? | Medikamente
Da Giardien hochinfektiös sind (es können sich auch Menschen anstecken), wird empfohlen jedes Tier im Haushalt mitbehandelt werden. Meiner Erfahrung nach ist es ohnehin im Mehrkatzenhaushalt auch kaum anders möglich, anderenfalls müsste man die Katzen über lange Zeit separieren.
Für Katzen verwendet man üblicherweise Panacur (Fenbendazol). Anscheinend haben sich bereits Resistenzen dagegen gebildet. Ich kann nur sagen, dass bei uns auch erst die dritte Behandlungsrunde (5-3-5-3-5) erfolgreich war. Allgemein wird Panacur anscheinend gut vertragen, viele Katzenbesitzer erzählen, dass es zu Durchfall kam. In der Trächtigkeit sollte es nicht verwendet werden. Es ist relativ leicht zu verabreichen und muss nur 1x pro Tag gegeben werden (über 5 Tage, 3 Tage Pause, dann wieder 5 Tage).
Das zweite “klassisch” verabreichte Medikament ist Metronidazol. Metronidazol wird im Gegensatz zu Panacur 2x täglich über einen Zeitraum von 5 Tagen verabreicht, dann 3 Tage Pause und wieder 2x täglich über 5 Tage. Metronidazol schmeckt sehr bitter und da es zu akutem Speicheln führen kann, wird generell empfohlen die benötigte Dosis in eine Leerkapsel umzufüllen und der Katze zu verabreichen. Behandlungen mit Metronidazol sind öfter erfolglos, außerdem hat Metronidazol teils sehr heftige Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Anorexie, Lethargie, neurologische Symptome bis hin zu Todesfällen bei Dosierungen über 100mg/kg, http://www-vetpharm.unizh.ch/wir/00000044/3481__F.htm ) . Wie man es als Katzenbesitzer üblicherweise schafft einer (oder schlimmer noch mehreren) Katzen eine Leerkapsel 2x täglich über 2x 5 Tage zu verabreichen, ist mir ehrlich gestanden ein Rätsel.
Neben diesen 2 Wirkstoffen werden auch noch weitere diskutiert. Albendazol hat ebenfalls erhebliche Nebenwirkungen. Tinidazol und Carnidazol zählen (soweit ich das verstanden habe) zur selben Wirkstoffgruppe wie das Metronidazol. Carnidazol wird in Deutschland (jedoch nicht in Österreich und der Schweiz) unter dem Namen Spartrix vertrieben, ist jedoch nur für Tauben zugelassen. In deutschen Katzenforen raten nicht wenige Benutzer zu Spartrix. Da man es seltener verabreicht und es nicht so bitter ist wie das Metronidazol, stelle ich mir die Verabreichung von Spartrix einfacher vor. Wissenschaftliche Studien über die Anwendung bei Katzen (oder auch Hunden) konnte ich leider keine finden. Inwieweit dieselbe Wirkstoffgruppe auch die gleichen oder ähnliche Nebenwirkungen zur Folge haben kann, kann ich nicht beurteilen. Daneben wird auch zur Drontal Plus (Praziquantel, Pyrantelpamoat und Febantel) geraten.
Hygienemaßnahmen
Gleichzeitig sollte der Infektionsdruck soweit wie möglich gesenkt, besser noch eleminiert werden. Das erreicht man nur durch putzen, putzen und – ja genau – putzen. Klingt auch noch nicht schlimm? Nun, dummerweise überleben Giardien so ziemlich alles. Gängige Desinfektionsmittel sind wirkungslos, eines der wenigen Desinfektionsmittel das eine Wirkung gegen Giardien hat ist Neopredisan (nicht ganz leicht erhältlich, ich konnte es bei unserer Tierärztin kaufen). Dieses kann auch auf Oberflächen aufgesprüht werden, die nicht mit der Kochwäsche gewaschen werden können bzw. nicht abgedampft werden können.
Da eine Wiederansteckung über den Kot erfolgt, müssen alle Katzenkistl täglich komplett gemacht werden (Streu zur Gänze wechseln, Klos am besten in kochendem Wasser einweichen und anschließend gut schrubben und trocknen lassen). Am sinnvollsten ist es sich dafür günstige, nicht klumpende Katzenstreu zu besorgen. Diese ist üblicherweise auch leichter als Klumpstreu.
Giardien überleben Temperaturen bis zu 70 Grad. Praktisch ist es bevorzugte Liegeflächen mit alten Leintüchern oder Geschirrtüchern, die man kochen kann, abzudecken und diese täglich zu wechseln. Aus demselben Grund wird auch häufig zur Verwendung von Dampfreinigern geraten, Skeptiker sagen, dass jedoch der Dampf auf der kalten Oberfläche sehr schnell abkühlt und so die Zysten nicht auf 70 Grad oder mehr erhitzt werden. Gerade bei Pölstern oder Textilien würde ich keine Dampfreiniger empfehlen, da vermutlich die notwendige Temperatur tatsächlich nicht erreicht wird und Giardien eine feuchte Umgebung lieben und so noch länger halten. Böden, Fliesen, etc. trocknen wesentlich schneller auf, diese habe ich schon bedampft. Laut dem Parasitologischen Institut der Verinärmedizinischen Universität Wien sind Giardien frostempfindlich. Pölster und Decken, die keine Kochwäsche aushalten, kann man also auch für einen Tag in den Tiefkühler legen, organische Reste, sollte man aber natürlich trotzdem so gründlich wie möglich entfernen.
Sonstiges
Giardien schädigen den Dünndarm und die Medikamente tun ein übriges dazu. Eine Darmsanierung ist sicher sehr empfehlenswert nach Abschluss der Behandlung.
Giardien ernähren sich von Kohlehydraten. Deshalb sollte während einer Behandlung (und aufgrund des hohen Infektionsrisikos eine ganze Weile danach) möglichst auf Kohlehydrate in der Katzenernährung verzichtet werden. Trockenfutter ist sehr kohlehydratreich, bei Nassfutter gibt es Sorten, die ganz ohne Getreide auskommen.
Es gibt Hinweise, dass Giardien eine Aversion gegen Kokos haben. Kokosöl gibt es im Reformhaus um wenig Geld, man kann auch Kokosflocken aus dem Asiashop verwenden. Leider gibt es keine genauen Angaben zur Dosierung. Wir haben das Kokosöl erst in der dritten (und erfolgreichen !) Behandlungsrunde verwendet. Kokosöl ist für mich das einzige Mittel gegen Giardien bei dem ich mir denke “hülft’s nix, schadt’s nix”. Meine Katzen bekamen jeden Tag eine gute Messerspitze auf die Oberseite der Pfote geschmiert, da sie es im Futter nicht tolerierten. Einen Effekt konnte ich jedenfalls beobachten, Lolas Fell ist seitdem viel weicher. Das Kokosöl sollte über mindestens 4 Wochen verabreicht werden.
Sehr häufig wird auch kolloidales Silber empfohlen. Jeder mag sich dazu selbst eine Meinung bilden, ich will es nicht verabreichen. Für meinen Geschmack wird dabei zu oft propragiert, dass es keine Nebenwirkungen habe, zwischen “guten” und “bösen” Bakterien unterscheiden könne, beides Dinge, die ich persönlich für nicht haltbar halte. Auch der teils beinahe schon “religiöse Eifer” der Anhänger ist mir suspekt (ja, mir wurde auch schon versichert, dass ich es “mit Sicherheit bereuen werde”, wenn ich kein Silberwasser verwende).
Es hat sicher seine Daseinsberechtigung bei einer äußerlichen Anwendung bei speziellen Indikationen (schulmedizinisch wird es meines Wissen bei Augeninfektionen und in Nasensprays gegen Schnupfen eingesetzt), aber ich bin doch erstaunt, wieviele selbst gebrautes Silberwässerchen ihren Katzen geben, das doch erhebliche Risiken (Argyrie, Argyrose, neurologische Probleme und Ablagerungen in Organen) hat und keinen belegten Nutzen gegen Protozoen.
Unser Resumee aus der Giardienbehandlung ist es mehr Durchhaltevermögen an den Tag zu legen, speziell wenn die Infektion so wie bei unseren Katzen komplett oder beinahe komplett symptomlos verläuft, als mit ganz schweren Geschützen aufzufahren. Gerade bei ausschließlich erwachsenen Katzen, die eine symptomlose Infektion durchlaufen, wäre es sicher auch überlegenswert naturheilkundlich zu behandeln. Da Caspa mit 4 Monaten allerdings zu uns kam, wollten wir eher nicht den langen naturheilkundlichen Weg gehen. Übertreiben wollten wir es aber nicht; oft haben wir von anderen Katzenhaltern gehört, dass diese oder jene Methode ganz sicher hilft und die einzige ist die hilft und keine Nebenwirkungen zeigt. Ich gebe offen zu, hätten wir hier wochenlangen schweren Durchfall gehabt, hätte ich auch (noch) schwerere Geschütze aufgefahren. Da dies nicht der Fall war, haben wir davon Abstand genommen, die Katzen sind nun negativ, sicher die Kontrollprobe fehlt noch, aber wir sind zuversichtlich und das nur mit Panacur, Hygienemaßnahmen und Kokosöl.
Nachdem wir uns selbst ein halbes Jahr mit den Giardien geplagt haben, wünschen wir allen Betroffenen, viel Durchhaltevermögen und dass es bei ihnen schneller weggeht!
Zum Teil I: Giardien Teil I: Was wir noch nie über Giardien wissen wollten
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Picture reference: Andrea Janda (Flickr 2007) Thank you!
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Giardien – Ansteckung und Nachweis
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[...] Giardien – Was tun?. — 28m ago via [...]
Birgit
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Echt, ich hasse diese Viecher. Wir haben leider momentan ein Giardienproblem – Velvet hat schon sein Wochen Durchfall und irgendwie hilft nix. Es ist sehr nervig.
Velver sträubt sich gegen die Behandlung, die Putzerei ist auch sehr anstrengend und mittlerweile wünsche ich allen Flagellaten nur mehr den Tod….